9. März 2017

Teilhabecheck

Partizipation – Teilhabe – hat viele Formen – sie lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Migrant*innenorganisation und stadtteilbezogene Initiativen von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte brauchen mehr Anteil an Entscheidungen, die sie betreffen. Die stadträumliche Partizipation bekommt umso mehr Gewicht, als dass andere Mitbestimmungsmöglichkeiten nach wie vor fehlen, wie etwa ein kommunales Wahlrecht für seit langem in Deutschland ansässige Nicht-EU-Bürger*innen. Mit dem 2010 erstrittenen Partizipations- und Integrationsgesetz des Landes Berlin besteht erstmals ein Orientierungsrahmen für alle migrationspolitischen Akteure.

Voraussetzungen

Partizipieren zu können, hängt u.a. ab

  • vom Zugang zu wichtigen Informationen,
  • der Fähigkeit, sich sprachlich in einer Form ausdrücken zu können, die Gehör findet,
  • sowie von der faktischen statt nur formalen Offenheit von Gremien und Foren.

Statt eher passiver Teilnahme brauchen MO und migrationspolitisch Aktive die Chance auf Teilhabe an [stadt-]politischen Entscheidungsprozessen. Vorhandene informelle und bindend verankerte Mitsprachemöglichkeiten wie auch Instrumente und Mechanismen interkultureller Öffnung bedürfen deshalb der Prüfung und Weiterentwicklung – und gelungene Prozesse müssen kommuniziert werden, damit wir aus ihnen lernen können.

Hier schließen wir mit dem Projekt Teilhabecheck an. Dabei bauen wir auf Erkenntnisse und Vorarbeiten statistischer Erhebungen, sozialräumlicher Forschung sowie einschlägigen Untersuchungen aus der Migrationsforschung auf.

Partizipationsforschung

Im Zentrum unserer Partizipationsforschung steht die Teilhabe an bezirksnahen und weiteren migrationspolitisch bedeutsamen lokalen Gremien. Darüber hinaus wird versucht, auch andere Formen und Ebenen von lokaler Partizipation mit einzubeziehen. Eine Fokussierung auf festgelegte Zielgruppen besteht hierbei nicht; dennoch können sich je nach Situation vor Ort Schwerpunkte ergeben. Und soweit es im Projektrahmen möglich ist, wenden wir selbst interaktive und partizipative Methoden an.

In enger Verzahnung mit den anderen IKMO-Teilprojekten fragen wir im Projektzeitraum bis Frühjahr 2018 exemplarisch nach Potentialen zur Erweiterung von migrationspolitisch relevanten Mitbestimmungsmöglichkeiten in drei Berliner Stadträumen:

  • in (Tempelhof-)Schöneberg,
  • im Wedding (Mitte) und
  • in Prenzlauer Berg (Pankow).

Ziele

Am Ende des Forschungsprozesses werden Empfehlungen an Politik und Verwaltung, stadträumliche Initiativen und Träger sowie Interessierte aus der Zivilgesellschaft stehen, die wir zur Diskussion stellen möchten welche migrationspolitisch bedeutsamen Foren und Gremien, welche ungenutzten Chancen und erfolgreichen Prozesse gab und gibt es? Wie wird mehr Teilhabe für MO und Organisationen, die sich für das Zusammenleben von ‚Neuen‘ und ‚Herkunftsdeutschen‘ einsetzen, möglich?

Wir freuen uns über Interesse am Projekt Teilhabecheck, über kritische Nachfragen und Informationen.