9. März 2017

Teilhabecheck

Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg e.V. (TBB) erarbeitete mit dem Projekt „Teilhabecheck“ zum Mai 2018 eine qualitative Studie zu Formen migrationspolitischer Partizipation in Berlin und Lernprozessen in diesem Kontext.

Drei Stadträume in drei verschiedenen Bezirken Berlins wurden zum Ausgangspunkt der Untersuchung genommen: Schöneberg-Nord, der Wedding und Prenzlauer Berg. Mittels vielfältiger qualitativer Methoden der empirischen Sozialforschung – informelle Gespräche mit migrationspolitisch Aktiven, Expert*inneninterviews mit Beschäftigten aus den verschiedenen Bezirksämtern, Beobachtung verschiedener Teilhabegremien, Fokusgruppen, Dokumentenanalysen, Fragebogenerhebung – wurden Erkenntnisse über Teilhabestrukturen und migrationspolitische Erfahrungen gewonnen.

Die leitenden Fragen der Studie waren:

  • Was charakterisiert integrationspolitische Mechanismen und Instrumente sowie die Arbeitsweise von Gremien zur politischen Partizipation von Migrant*innen?
  • Welche spezifischen Erfahrungen aus diesem Kontext lassen sich für die Erweiterung und Vertiefung von Teilhabeprozessen nutzbar machen?
  • Welche Ansätze und Lernprozesse gibt es hinsichtlich Praxen interkultureller Öffnung (IKÖ) der öffentlichen Verwaltung bzw. Diversitykonzepte und -strategien?

Die Studie stellt fest, dass Teilhabemöglichkeiten verschiedener Menschen und Gruppen sich stark unterscheiden und einem Machtungleichgewicht unterworfen sind. Die lokalpolitische Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte wird häufig von Erfahrungen mit Ausschlussmechanismen, z.B. aufgrund der Sprache, erschwert. Die strukturell stärkere Seite bleibt dabei stets die öffentliche Verwaltung. Deutlich zeigen sich auch Unterschiede im Arbeits- und Handlungskontext bezirklicher Integrationsbeauftragter sowie ein dramatisches Ungleichgewicht zwischen verschiedenen Verwaltungsbereichen hinsichtlich der Offenheit für Diversity und IKÖ, die sich auf partizipative Prozesse auswirken. So existiert interkulturelle Kompetenz zwar vielfach als individuelle Kompetenz von Mitarbeiter*innen, jedoch nicht als Organisationskompetenz der Verwaltung. Institutionelle Neuerungen durch Fluchtmigration und ein Aufwind in der Einstellungspolitik eröffnen hier Chancen zum Gegensteuern. Gleichwohl wurden auch Positivbeispiele und Lernprozesse sichtbar, an die zur Erweiterung von Teilhabemöglichkeiten angeknüpft werden kann.

Auf Basis der Ergebnisse wurden Empfehlungen formuliert, die den zukünftigen Dialog mit Entscheidungsträger*innen in Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Aktiven in Stadt- und Migrationspolitik gestalten sollen.

Die Handlungsempfehlungen im Überblick:

  • kommunales Wahlrecht für Alle
  • statistische Erfassung von Diskriminierung
  • Senior*innenvertretungen diverser gestalten
  • Migrationsbeiräte und Integrationsbeauftragte stärken
  • anonymisierte Bewerbungsverfahren in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung einführen
  • Verwaltung als lernende Organisation
  • Umbenennung des Amtes der Bürgerdebutierten in Einwohner*innendebutierte
  • Interdependenz partizipativer Ämter und Funktionen stärken
  • Verbesserung der Sprach(en)politik
  • soziale Integration und Partizipation auf Stadtraum und Bezirksebene
  • Strukturförderung auch für lokal handelnde Organisation sowie die Förderung des Ehrenamts
Die gesamte Studie finden Sie hier: Teilhabecheck des TBB

PDF 1,5 MB
Teilhabecheck: Eine qualitative Studie des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg e.V. (TBB) zu migrationspolitischen Partizipationsmöglichkeiten in drei Berliner Bezirken

 

Wir freuen uns über Interesse an der Studie “Teilhabecheck”, über kritische Nachfragen und Informationen Ihrerseits.